Bewerbung

Meine erste Bewerbung ging im September online an AFS. Dort musste ich ein 1-2 seitiges Motivationsschreiben und einen tabellarischen Lebenslauf, beides auf englisch, hochladen. Hinzu kamen ein Passfoto und üblicher, simpler „Ankreuzkram“ über mich und meine Person.

Bereits am nächsten Tag bekam ich eine E-Mail mit der Bitte mich bei einem der Auswahlwochenenden anzumelden. Ich entschied mich für eines in Rotenburg (Wümme) Ende Oktober.


Nun liegt das Auswahlwochenende von AFS in Rotenburg (Wümme) hinter mir. Geprägt durch gute Laune, viel Euphorie und genau so viel Anspannung und Aufregung. Ich bin immer noch sehr ausgelaugt von dem Kennenlernen so vieler unterschiedlicher Menschen, der ganzen Anspannung, den intensiven Diskussionsrunden etc.

Samstag

Früh morgens machte ich mich mit zwei anderen Bewerbern aus meiner Umgebung auf den Weg zur Jugendherberge. Eine halbe Stunde zu früh dort angekommen, konnten wir uns noch ein Zimmer zusammen aussuchen und schon mal die Betten beziehen.
Ein wenig verspätet begannen wir dann gegen 11.15 Uhr mit einer kurzen Kennenlernrunde und dem Brainstorming zum Thema „AFS“, „CSP“, „IJFD“ und „weltwärts“. Es folgten Programmpunkte in kleineren, immer wechselnden Gruppen. Einen persönlichen Gegenstand vorstellen, ein Brainstorming zum Thema „Förderkreis aufbauen“ und Diskussionsrunden zur Einteilung von Fallbeispielen in „moralisch“ und „unmoralisch“ waren anstrengender als gedacht und so waren wir alle schon gegen 17 Uhr sehr ausgelaugt. Gerade als die Einzelgespräche mit jeweils zwei Teamern begannen. In der Wartezeit bereiteten wir in Kleingruppen ein kurzes Theaterstück zu einem bestimmten Genre vor, in dem wir sechs Begriffe mit einbauen sollten: Wurstfachverkäufer/-in, Leider geil, kulinarischer Kampfsport, Smombie, Brangelina, Feenstaub. Es war quasi vorprogrammiert: das würde lustig werden!

Mein Einzelgespräch hatte ich ziemlich spät gegen 21 Uhr. Da ich die Nacht zuvor nicht viel Schlaf bekommen hatte war ich zu der Zeit schon ziemlich müde und konnte mich nicht mehr recht konzentrieren. Diese Energielosigkeit war tatsächlich ganz praktisch: So steigerte ich mich nicht zu sehr in meine Aufregung hinein und ging relativ entspannt in das Gespräch.
Es kamen fragen zu meinem Lebenslauf und meiner Motivation. Ganz klassisch. Das Gespräch war super locker und echt angenehm. Bis mir folgende Frage gestellt wurde:

„Stell dir vor du bist in der Schule und eine Lehrerin schlägt Kinder mit einem Stock auf die Hände. Sie fordert dich auf das gleiche zu tun. Was machst du?“ 

Mit einer derartigen Frage hatte ich nicht gerechnet. Hauptsächlich, weil Gewalt für mich in unserem „behüteten Deutschland“ nicht so präsent ist, ich mir daher nie Gedanken darüber machen musste und diese für mich auch keine Lösung darstellt.
Ich dachte in dem Moment also ernsthaft darüber nach wie ich in dem Moment handeln würde bis ich nach einigem (unnötigem) Hin und Her zu dem Entschluss kam: Nein, ich kann und will auf keinen Fall Gewalt anwenden! In dieser stressigen Situation hat dieser Entschluss viel zu lange gedauert. Mit dem jetzigen klaren Kopf ist es für mich vollkommen eindeutig: Meine Intention bei diesem Freiwilligendienst ist die Förderung der „einen Welt“ ohne Gewalt durch den interkulturellen Austausch.
Das Gespräch war für mich also ziemlich intensiv, jedoch auch sehr erleichternd.
Nun folgten nur noch die Aufführungen der Theaterstücke, bei denen wirklich viel gelacht wurde, und ein paar weitere Spiele. Danach fiel ich gegen halb 1 sehr erschöpft ins Bett.

Sonntag

Kurzes, ungewohnt ruhiges Frühstück, da alle noch ein wenig Schlaf vertragen hätten – und los ging’s mit der nächsten Teambuilding-Aufgabe. Es folgte die Bearbeitung von Fallbeispielen, Organisatorisches und eine kurze Feedback- und Fragenrunde.
Fazit: Es war ein wirklich schönes, spaßiges Wochenende!

Nun habe ich gerade meinen Prioritätenbogen  ausgefüllt (ich habe mich lediglich für das ‚weltwärts‘-Programm beworben mit den Wunschländern 1. Thailand, 2. Indien, 3. Philippinen, 4. Malaysia) und kann nur noch warten bis ich die Zu-/Absage von AFS bekomme …


Manchmal hilft ein wenig Eigeninitiative

9. Dezember 2016 – Die angekündigten 6 Wochen Wartezeit bis zur Rückmeldung von AFS sind um und es kam noch immer keine erlösende Mail … Vor lauter Neugier und Ungeduldikgeit, wollte ich den ewigen Kreislauf (morgendliche Vorfreude, stündliches E-Mails-Checken, nachmittägliche Griesgrämigkeit, da immer noch keine Antwort kam) endlich unterbrechen und rief kurzerhand bei AFS an.
Die Auswertungen waren bereits abgeschlossen, der E-Mail-Versand verzögerte sich lediglich durch technische Probleme. Also erfuhr ich direkt telefonisch von meiner Zusage:

Indien. Wow.

Glücklich. Überwältigt. Sprachlos. Geplättet. Erleichtert. Aufgedreht.
Die nächsten Stunden war ich nur damit beschäftigt meine Euphorie mit meinen Liebsten zu teilen und allen von der tollen Neuigkeit zu berichten.
Es geht endlich los. Ich freue mich!


Internationale Bewerbung

Die nächsten 28 Tage war ich damit beschäftigt meine Internationale Bewerbung zu vervollständigen: Gesundheitszeugnis vom Arzt, Psychologisches Gutachten (in meinem Fall), Teilnahmevereinbarung unterschreiben, Fotos von mir und meinem Leben hochladen, diverse Formulare unterschreiben, nochmal einige persönliche Fragen beantworten und einen zweiseitigen Brief auf englisch an meine zukünftige Gastfamilie schreiben.
Damit war es dann endlich getan. Meine Bewerbung wurde nach kurzem Hin und Her an die Partnerorganisation FSL India geschickt. Nun war ich offiziell „Hopee“.

 


Du hast Fragen zum Bewerbungsverfahren oder würdest gerne mal mein Motivationsschreiben lesen?

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