Weiter geht’s

Ihr Lieben.

Vor über einem Jahr habe ich euch einen abschließenden Beitrag versprochen. Mein Plan war es ein Resümee für euch zu schreiben, euch teilhaben zu lassen an meinem persönlichen Prozess. Wie denke ich über meine Zeit des Freiwilligendienstes? Was hat sie mit mir gemacht? Wie ist es wieder zurück in Deutschland zu sein? Was nehme ich wahr?
In den Notizen meines Laptops finde ich heute etliche Anfänge eines solchen Beitrags und doch habe ich keinen zu Ende gebracht. Nicht, weil ich nicht wollte, sondern vielmehr, weil ich mit der Sortierung meiner Gedanken und Emotionen überfordert war und wohl auch immer noch bin.
Eins ist mir jedoch klar: Die Zeit hat mich unfassbar geprägt und mein Empfinden für die Notwendigkeit von interkulturellem Austausch immens gestärkt. Und vielleicht können viele von euch, als meine Freunde und Familie, besser beschreiben was das Jahr alles mit mir gemacht hat.

Trotz all der Schwierigkeiten habe ich mich so lebendig wie noch nie gefühlt! Oder waren gerade die Herausforderungen ausschlaggebend für mein Gefühl der Lebendigkeit? Dass ich jegliche Emotionen durch ihre starken Wechsel und ihre Intensität bewusster wahrgenommen und mich selbst dadurch mehr gespürt habe? Was genau es ist weiß ich nicht. Ich nehme lediglich wahr, dass ich auf nahezu jedem Foto aus Indien mit strahlendem, zähnezeigendem Lächeln zu sehen bin. So habe ich mich früher nie auf Bildern gezeigt und auch heute ist dieser Teil in mir wieder verschwunden. Eine schöne Metapher für mein Inneres. Wo ist mein Lächeln hin?
Ich begebe mich nun also auf die Suche nach meinem Lächeln und mein Weg beginnt fast auf den Tag genau zwei Jahre nach meinem damaligen Abflug. Am 5. August werde ich nach Delhi fliegen. Gemeinsam mit einem Freund schauen wir was uns erwartet, wonach uns ist und besuchen zunächst einen guten Freund, den ich in Kundapur kennengelernt habe. Am 20. August geht es dann für mich allein weiter nach Neuseeland. Was dort genau auf mich wartet? Seid genau so gespannt was mir mein Leben bescheren wird wie ich es bin! Ich weiß es nicht! Wer dort auf mich wartet? Zunächst eine meiner zwei engsten Freundinnen, die ich in den vergangenen Jahren, die sie schon vor Ort lebt, nie besucht habe.

„Pack’ am besten ein paar Kisten mit wichtigen Dingen, die wir dir zuschicken können, wenn du dann irgendwo bleibst.“

oder Worte wie ‚Auswanderung’ in Kombination mit meinem Vorhaben, fielen von meinen mir nahestehenden Menschen gerade in den letzten Wochen, wo die verbleibenden Tage in Deutschland wieder gefühlt 10x so schnell vergehen wie noch vor ein paar Monaten, recht häufig. Spannend, denn einen Plan habe ich nicht. Alles was ich haben werde ist mein einjähriges Working Holiday Visum und meinen Rucksack mit Dingen, die ich denke zu benötigen. Vieles kann passieren, nichts muss, vielleicht stehe ich auch im Oktober schon wieder vor der Haustür oder meine Mutter hat recht und ich bleibe. Wo auch immer. Wie lange auch immer. Wer weiß.

Ich freu mich auf jeden fall drauf und vielleicht nehme ich euch wieder ein Stück weit durch meine Zeit mit, wenn ihr mögt.


PS:
Das letzte Jahr habe ich damit verbracht herauszufinden was ich möchte. Nicht zu wissen was mein nächster Schritt ist und was ich überhaupt will war und ist für mich eine vollkommen neue Erfahrung, die mir sehr schwer viel anzunehmen und mir gleichzeitig heute ein großes Gefühl der Freiheit schenkt. Ich habe wieder in meinem damaligen Ausbildungsbetrieb gearbeitet und mich nebenbei beim AFS ehrenamtlich mit eingebracht. Mit anderen Ehrenamtlichen habe ich ein Auswahl-Wochenende und vor kurzem dann die zwei je fünftägigen Vorbereitungsseminare der zukünftigen Indien-Freiwilligen geteamt. Eine unglaublich große Bereicherung diesen Prozess nochmal aus meiner heutigen Perspektive zu durchlaufen und die Freiwilligen auf ihrem Weg zu begleiten!

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