Kurzes Hallo

Die Tage ziehen sich. Seit gestern bin ich nach drei Wochen Reisen wieder im Waisenhaus. Endspurt. 3 1/2 Wochen Waisenhaus, 3 1/2 Wochen Reisen, 1 Woche Waisenhaus, 2 Wochen Reisen, 2 Wochen Waisenhaus, dann noch ein paar Wochen Reisen, Endseminar und schon geht unser Flug wieder zurück nach Deutschland. Und ich kann mich gar nicht entscheiden wie ich das alles finde. Nichts neues also. Mein Gefühlschaos beherrscht dieses Jahr und ich freue mich sehr darauf bald ein wenig Abstand zu gewinnen, um so vieles zu verarbeiten wozu ich hier einfach keine Zeit und keinen Raum habe.

Am Samstag habe ich nach zwei Wochen Besuch einer guten Freundin ‚Tschüß‘ sagen müssen. Diese Zeit hat mich ganz schön rausgerissen. Mir wurde wieder bewusst wie sehr ich hier im Waisenhaus meine eigenen Bedürfnisse ablegen musste. Wie sehr ich mich angepasst habe und einige meiner eigenen Werte abgelegt habe. Und besonders wie sehr mir meine Familie und Freunde fehlen. Ich vermisse euch extrem! Nun kreisen meine Tagträume, z.B. während des Kirchenbesuchs, bei dem ich kein einziges Wort verstehe, also wieder darüber wie es wohl wird euch wiederzusehen. Was ich zuerst machen möchte. Wie es sich anfühlt das erste Mal durch die Innenstadt zu laufen. Wie es wohl sein mag dann Beworbenes nur noch durch Schaufenster zu sehen. Wie die Luft wohl riecht. Wie sich der kalte Regen anfühlt. Wie sehr ich mich darauf freue einfach mit dem Fahrrad umher zu fahren. Spontan guten Kaffee trinken zu gehen. Wie leise es wohl in Deutschland sein wird und wie sehr mich dann meine klingelnden Fußketten nerven werden (und vor allem auch euch). Wie es wohl ist wieder nahezu nur noch feste Schuhe zu tragen. Wie es ist wieder alles und jeden verstehen zu können. Wie es ist wieder in der Masse unterzugehen. Müsli. Käsebrot. Ofengemüse. Aus dem Wasserhahn zu trinken. Eine Duschkabine mit allzeit bereitem warmen Wasser zu haben. Eine richtige Matratze. Einfach mal für mich alleine sein zu können und das so lange wie ich will. Wie sich meine Klamotten wohl nach dem ersten Waschen mit einer Waschmaschine anfühlen werden. Einen Staubsauger benutzen (da bin ich nun nicht unglaublich scharf drauf, aber dennoch …).

Mit diesen Gedanken hatte ich also nur sehr wenig Energie übrig, um mich auf die Rückkehr ins Projekt zu freuen. Als wir dann nach 11 Stunden Zugfahrt am Morgen hier ankamen war ich überrascht. Der Geruch des Waisenhauses überkam mich, den ich schon wieder ganz vergessen hatte. Beschreiben kann ich ihn leider nicht. Verbunden mit unglaublich vielen unterschiedlichen Emotionen weckte er genau so viele negative wie auch positive Gefühle in mir, die ich in den letzten nun fast 8 Monaten durchlebt habe und schließlich führte er dazu, dass ich doch wieder beruhigt hier ankommen konnte. Natürlich sorgten dafür aber auch die Kinder, die sich sichtlich freuten uns wiederzusehen. Witzigerweise hatten Charlotte und ich alle Kinder viel größer in Erinnerung als sie eigentlich sind. Vermutlich, da wir uns schon auf extreme Wachstumsschübe eingestellt hatten (innerhalb von 3 Wochen, ja, klar …). Hoffentlich dreht sich die nächsten Tage meine Gedankenwelt nicht mehr so viel um die Zukunft, sondern um das Hier und Jetzt. Die letzten Monate möchte ich schließlich auch noch genießen.

Nun heißt es also nochmal die restliche Energie zusammen sammeln und uns um die letzten Projekte kümmern. Die Betten sind gestrichen, nun ist die Wand bei den Waschbecken dran.

Bald gibt’s dann auch den aktuellen Spendenstand! So viel ist klar: Wir sind absolut überwältigt davon wie viel ihr gesammelt habt!

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Ein Gedanke zu “Kurzes Hallo

  1. Irmtraud Dübler

    Liebe Johanna, ganz herzliche Grüße aus der „Heimat“!
    Ich finde es ganz beeindruckend wie du alles beschreibst. Dein Gefühlschaos kann ich dadurch gut nachempfinden😘. Ich vermisse dich auch. Bleib gesund und munter! Bis schon recht bald liebe Grüße von deiner „Tante“ Irmtraud 😆😘

    Gefällt 1 Person

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