ಮನೆ

(Kannada: Mane; Deutsch: Zuhause)

Die Zeit rennt auf einmal. Es passiert unglaublich viel um mich herum und in mir selbst. Nach meinem letzten Beitrag haben mich viele ermutigende Worte erreicht. Ganz lieben Dank dafür!
Ja, mir geht es mittlerweile viel besser. Fünf Wochen bin ich nun in Indien und vor gut einer Woche habe ich mich doch tatsächlich dabei erwischt wie ich beim Wäsche waschen am Mittag bei 28 Grad und Sonnenschein das erste Mal bewusst dachte wie schön es hier doch ist und wie gerne ich hier bin.

Krankenhausbesuche, neue Kleidung, Familienleben

Die letzten beiden Wochen waren ganz schön ereignisreich. Zunächst habe ich mir beim Muay Thai den großen Zeh angehauen und damit meinen ersten Krankenhausbesuch hinter mir. Alles gut, nur ordentlich blau und dick. Charlotte erging es dann mit einer Mittelohrentzündung weitaus schlechter. Über die 2 bis 3 Stunden des ersten Besuchs im Krankenhaus wurde uns mal wieder einfach so geholfen. Diesmal von einer indischen Medizinstudentin ohne die wir echt aufgeschmissen gewesen wären. Für meine Behandlung und den Röntgen des Fußes musste ich dann umgerechnet etwa 2,50 € zahlen. Charlotte hat ihre Antibiotika für circa 1 € bekommen.

Um uns äußerlich zumindest ein wenig anzupassen, haben wir unsere erste indische Kleidung vom Schneider abgeholt. Nein, erstmal kein Sari. Der kommt dann bestimmt noch später. Mein nächster Beitrag werden Bilder. Ganz bestimmt!
Ich stelle auf jeden Fall schon jetzt fest: Meine Füße, Arme und mein Hals sind weitaus brauner als der Rest meines Körpers. Das wird interessant aussehen im nächsten Sommer in Deutschland, wenn ich wieder kürzere Kleidung tragen werde. Natürlich gibt es auch einige Frauen in Mangalore, deren Schultern frei, die Kleider figurbetont und kürzer als knielang sind und deren BH-Träger doch hier und da mal zu sehen sind, jedoch versuchen wir uns eher bedeckt zu halten und nicht noch mehr aufzufallen als eh schon. Im Zweifelsfall werden wir eh direkt von einem der Kinder darauf hingewiesen, wenn unser Ausschnitt ein bisschen zu groß ist etc.

Die letzten drei Tage waren wir dann zum Feiertag ‚Marias Geburt‘ in das Zuhause einer Familie eingeladen, die wir während der ersten Wochen im Waisenhaus kennengelernt haben. Zusammen mit zwei Waisenkindern für die die Familie eine ‚Patenschaft‘ übernommen hat, wurden wir abgeholt und bekamen so einen kleinen Einblick in das Leben mit einer Gastfamilie.
Diese Tage zeigten mir wie sehr ich mich schon in meinem neuen Zuhause eingelebt habe, denn schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich trotz der wirklich lieben Menschen sehr angespannt und gestresst. War ich doch wieder nur damit beschäftigt die Kommunikation richtig zu interpretieren und in keine Fettnäpfchen zu treten.
Die zeitliche Einhaltung der Tagesplanung wurde hier sehr locker gehalten, was dafür sorgte, dass wir wie besprochen um 13 Uhr bereit zum Mittagessen waren, ein Teil der Familie allerdings noch im Wohnzimmer/Flur auf dem Boden lag und schlief. Nach einer weiteren Stunde brachen wir dann aber doch zum Essen gehen auf. Im Restaurant bemerkten wir dann, dass wir uns schon sehr an die indischen Preise gewöhnt haben. 250 Rupien für ein Essen … etwa 3,50 €. 5x mehr als wir letztens in einem ‚Bistro‘ unterwegs bezahlt haben. Wucher!
Gedeckt war der Tisch mit Besteck, bei dem wir uns direkt fragten, ob wir nach einem Monat nur mit der rechten Hand essen noch ordentlich damit umgehen könnten. Im Endeffekt hat dann aber eh jeder mit der Hand gegessen und das Besteck unberührt gelassen.
Nach den Tagen bei der Familie bin ich wirklich froh darüber in meinem Projekt zu leben. Nicht, weil mir die Familie nicht sympathisch gewesen wäre o.ä., sondern lediglich weil mir dadurch bewusst geworden ist was für einen großen Freiraum wir hier doch haben. Wir können viel selbstständiger und freier über unseren Tag und unseren persönlichen Raum entscheiden als ich zuvor dachte und ich habe gemerkt, dass mein eigenes Zimmer im Waisenhaus für mich ein echtes Privileg und trotz der ständigen Geräusche der Kinder ein Rückzugsort geworden ist, den ich nicht missen möchte.

Allgemein habe ich mich schon sehr an den ‚Lärm‘ gewöhnt. Natürlich genieße ich auch die Ruhe, in der kaum jemand im Waisenhaus ist, aber er stresst mich einfach nicht mehr so sehr wie zu Anfang.
Ich werde morgens jedes Mal wach, wenn die Schwester mit schroffem lautem Ton die Kinder weckt. Zu Beginn war ich davon sehr gestört und habe den Umgangston jedes Mal als viel zu hart und streng empfunden. Mittlerweile kann ich besser einschätzen wann etwas als Schimpfen gilt und wann es eine einfache Aussage ist. Umso schöner sind dann die Momente, in denen gemeinsam gelacht wird. Davon gibt es zwar meiner Meinung nach noch zu wenige, aber für irgendwas müssen wir ja auch da sein.

Als Ruhepol dient mir nun als fester Bestandteil meines Alltags (ja, es gibt so langsam einen Alltag) neben dem Muay Thai an sich mein täglicher insgesamt einstündiger Spaziergang zum Sport und wieder nach Hause, bei dem ich manchmal bei leichter Brise den Sonnenuntergang beobachten kann. Je nachdem wie es zeitlich passt gehe ich morgens oder nachmittags. Morgens bin ich alleine, nachmittags konnte ich schon einige Medizinstudentinnen kennenlernen. Unter anderem eine Malaysierin, die seit vier Jahren hier lebt. In der direkten Umgebung haben wir zwei Uni-Krankenhäuser, weshalb hier fast nur Studenten unterwegs sind und wir meist auch für welche gehalten werden. Vielleicht ergeben sich auf diese Weise ja auch bald ein paar freundschaftliche Kontakte, die nichts mit dem Waisenhaus zu tun haben. Dies ist nämlich tatsächlich etwas das mir hier nun sehr fehlt. Gute Freunde!

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